27.10.2011

In Zeiten der Nudel zwischen den Beinen I

Damals, als ich noch ein junges Mädchen mit blonden Haaren war und auf Fotos frisch und unverbraucht aussah, hatte ich immer Angst vor der Zeit, wenn ich mich mit meiner besten Freundin zum Kaffee trinken treffe, um danach gemütlich durch den Garten zu schlendern und über Blumen zu reden. 

Mittlerweile sehe ich auf Bildern aus, als hätte ich bereits zwei Promille und die Nacht durchgetanzt, dabei ist es erst 8 Uhr abends und ich bin Fahrer. Ich bin nicht mehr blond, sondern grün brünett. Ich mag Kaffee, weil die Geschmacksknospen abgestumpft gereift sind. Ich tausche Kochtipps mit meiner Mutter aus, habe eine Fettweg-DVD im Regal liegen (aber ich schwöre, das war eine Frauenzeitschriften Financial Times Beilage und ich habe sie noch fast nie benutzt) und habe in Erwägung gezogen, mich für einen Yoga-Kurs anzumelden (ich berichtete). 

Um zu meiner Ehrenrettung beizutragen: Der Yoga-Kurs ist es letztlich nicht geworden. Um mich für die Männerwelt für immer unattraktiv zu machen: Stattdessen mache ich jetzt Aqua-Gymnastik. Jep. Nicht Aqua-Fitness, Aqua-Cycling oder Aqua-Zumba, was es sicher bald geben wird. Es ist keine Trendsportart für flotte Frauen Mitte 50. Es ist einfach Aqua-Gymnastik, eine Sportart ohne Trend für Frauen mit echt langen Schamhaaren (Mitte 60). Ähnlich wie bei Gymnastik und Tanz bei Frau Sachs weht bei dem Wort Aqua-Gymnastik der Muff von alten Ranzschwimmbädern, Fußpilz und lüsternen Bademeistern durch den Raum. 

Es folgt der erste Teil eines Berichts über den Kampf gegen Cellulite und militärische Gymnastiklehrer zur Lage der Nation. 

Aqua-Gymnastik. Die Krankenkasse übernimmt 80 Prozent der Kosten. Ein Indiz, dass es sich um keinen Trendsport handelt. Coole Sportarten werden nicht subventioniert, sie sind gefährlich und nicht gesundheitsfördernd. Kieser Training zum Beispiel wird von der Krankenkasse subventioniert. Kieser Training ist auch nicht cool, sondern gut für den Rücken. Kieser Training ist für vernünftige, gesundheitsbewusste alte Männer, Aqua-Gymnastik ist für alte Frauen mit Cellulite und - wie ich schon erwähnte - Schamhaaren, die ersteres loswerden wollen. Und natürlich für die Gelenke. Genau das richtige also für zwei sportbegeisterte alte Frauen wie Pia und mich. Cellulite haben wir kaum nicht, über zweiteres wird geflissentlich geschwiegen. Aber es ist im Wasser und wir haben wenig Geld, uns also angemeldet und gestern das erste Mal mitgemacht. Statt ein technisch vollaufgerüstetes, hochmodernes Hamburger Topschwimmbad vorzufinden, fanden wir uns um kurz vor sieben in unseren zwei zum-Sonnen-aber-nicht-zum-Schwimmen geeigneten Bikinis bibbernd in einem heruntergekommenen, ockerfarbenen Kinderschwimmbecken wieder, das zwar von weitem tief, von nahem aber nur bis zum Bauchnabel reichte. Auf der Suche nach unserem überaus attraktiven Gymnastiklehrer ging ich immer wieder an einem alten Mann mit Plautze, Glatze und knallroter Speedo vorbei, bis mich jener Ansprach: Haben Sie Ihren Studentenausweis für den Kurs mit? 

Fortsetzung folgt..


Tempi Passati

Blütenfrohe Jugendzeit,
als mein Bauch ein Brett war,
weil die Folge guter Kost
Wachstum und nicht Fett war.
Seit sich das geändert hat,
was nicht grade nett war,
seufz ich der Verlornen nach,
golden, doch unrettbar.

Robert Gernhardt

25.10.2011

Da sitzt man im Bus und ahnt nichts Böses...

Liebesgedicht

Kröten sitzen gern auf Mauern,
wo sie auf die Falter lauern.

Falter sitzen gern an Wänden,
wo sie dann in Kröten enden.

So du, so ich, so wir.
Nur - wer ist welches Tier?

Robert Gernhardt

24.10.2011

Der Tag fast am Meer


Der Zähe

Wo du auch hingehst -
Ich bin schon da.

Wie weit du auch wegläufst -
Ich bin dir nah.
Wo du auch reinfällst -
Ich hol dich raus.

Nenn du mich nur Ratte -
Ich nenn dich Maus.

               Robert Gernhardt

20.10.2011

Samstagabendfieber

Feine Dame in St. Tropez
Wenn mit großen Feuerwerken
Bürger froh das Dunkel feiern,
sich an Bier und Fleischwurst stärken
und in die Rabatten reihern.

Wenn sie in den Handschuhfächern
kundig nach Kondomen tasten,
und die breiten Autos blechern
strahlend ineinanderhasten,

Wenn in Häusern bunte Schatten 
herrlich aufeinander schießen,
sich verprügeln, sich begatten,
bis die letzten Kinos schließen,

Wenn dann in zu lauten Räumen
viele Menschen sich bewegen
und beim Lärmen davon träumen,
stumm ineinander flachzulegen,

Wenn am Ende Franz und Frieda
glücklich in der Falle liegen -:
Wer gedenkt dann jener, die da
noch eins in die Fresse kriegen?
        
                           Robert Gernhardt

Ich finde, die Leute sollten mehr Gedichte lesen. Ich bin ein großer Fan der Dichtkunst, aber und vor allem der humoristischen. Heinz Erhardt ist groß, Loriot ist größer, aber vergessen will ich nicht Robert Gernhardt, der leider auch schon viel zu früh verstorben ist. Und weil ich ihn so mag und weil seine Gedichte wirklich toll sind (subjektive Empfindung), beende ich ab jetzt jeden Post, den ich in nächster Zeit ob der frischgewonnenen neuen Inspirationen schreiben werde, mit einem Gernhardt Gedicht. Das habe ich mir vorhin überlegt. Und weil das oben ziemlich lang war, ende ich diesen herbstlichen Post mit einem weiteren, etwas kürzeren Gedicht Gernhardts:

Mondgedicht

.., -
fertig ist das Mondgedicht.

                      Robert Gernhardt

30.09.2011

Was gibt es Schöneres

...als an einem nebeligen Samstagmorgen um 4 Uhr 50 aufzustehen und mit Klappstühlen, Klapptisch, Koffer und Tüten bewaffnet frohen Mutes auf den Flohmarkt zu gehen? Was gibt es Schöneres als sich die ersten zwei Stunden den Arsch abzufrieren, um anschließend über 6 Stunden der gnadenlosen Septembersonne ausgesetzt zu sein?
Von 2 Profifotografen wohltuendes Lob einzuheimsen und so viel positives Feedback für das Kleinkunstprojekt zu bekommen, dass es nun auf das nächste Level gebracht wird? Was gibt es Schöneres als anschließend mit einem herrlichen Sonnenstich abends beim Vietnamesen des Vertrauens zu sitzen und es sich bei Litschischorle und Kokossuppe so richtig gutgehen zu lassen? Ich verrate es euch: kaum etwas. Ein paar Eindrücke:

 

27.09.2011

Love, Figs 'n' Harmony

Ach, ach, ach, das liebe Essen. Wie ich es liebe. Den ganze Tag könnte ich Kochbücher blättern, Rezepte studieren, einkaufen und nachkochen... Dieses Blubbern im Topf, der Geruch von Knoblauch in der heißen Pfanne. Ich. liebe. es. Also dies ist zwar kein Kochblog, aber jenen herrlichen Feigen-Mozzarella-Prosciutto-Salat, den ich vorgestern zubereitet habe, muss ich einfach hier erwähnen (wenn auch leider ohne Foto, weil wir ihn zu schnell verputzt haben). Ja, ja, die Feige.
Welch sinnliche Frucht, hat sie doch durchaus etwas erotisches an sich, gilt als verführerisch und schmeckt reif einfach unglaublich saftig, gut (und lustvoll mit Augen zu bestimmt auch). Zufälligerweise ist auch gerade Feigenzeit und da Salat nicht immer aus Eisberg, Mais (um Gottes Willen sowieso pfui bäh), Paprika und Tomate bestehen muss, widme ich diesen Eintrag nicht meinem gestrigen katastrophalen Streichexzess, sondern einem Salat. Im Original vom heißgeliebten Jamie Oliver in leicht abgewandelter Form sei Folgendes unbedingt empfehlenswert und nachzukochen, weil echt lecker und doch so simpel. Man nehme für zwei Personen vier reife Feigen, eine große Kugel Mozzarella, am besten Büffel, gibts bei Rewe fürn Euro mehr, einige zerbröselte Walnüsse, zwei Frühlingszwiebeln und zwei Scheiben Serranoschinken. Voilà.
Man schneide die Feigen kreuzweise auf und drücke sie am Boden zusammen, sodass sie aufgehen. Jeweils zwei auf einem schönen großen, weißen (ja, weiß sieht halt am schönsten aus) Teller platzieren. Den Mozzarella reißt man großzügig in Stücke und verteilts gerecht auf beide Teller so um die Feigen rum. Gleiches mit den Serranoscheiben. Jeweils etwas zerpflücken und um die offenen Feigen wickeln. Dann zerstoßene Walnüsse oben drüber. Frühlingszwiebeln in feine Ringe schneiden und oben drüber streuen. Das Dressing: Salz, viel Zitronensaft, leckeres Olivenöl, einen guten Gulp Honig und weißen Balsamico verquirlen und drüber geben. Sollte eine gelbliche, trübe, leicht zähe Konsistenz haben - ruhig viel Dressing, Mozzarella saugts schon auf. Am Ende frischen Pfeffer drauf und rein in den Mund. Es hat so vorzüglich geschmeckt, wir beide waren begeistert, das gibts bestimmt bald wieder. So, das war mein erster Rezeptvorschlag auf diesem Blog.

Bon Appetit. :)

Statt Uni lieber nochmal Sonne genießen, wa?

14 Uhr, Blankenese:







































21.09.2011

Voilà 15mal15

Die besten Ideen liefert der Suff, der hemmungslose meistens, es ist leider so. Wir fotografieren so viel und die Bilder dümpeln letztlich doch nur auf dem Laptop herum. Schade und Schande ist das. Wir müssten sie eigentlich mal ordentlich aufgearbeitet präsentieren. Zwei ambitionierte Freizeitfotografinnen im Gespräch.
So recht keine Peilung, aber mit einem guten Schuss Begeisterungsfähigkeit und dem leicht gefährlichen Hang zu Spontaneität, Überschätzung und blonder Naivität gesegnet. Prinzipiell die perfekte Mischung, um mal was zu riskieren. Um es einfach zu tun und nicht weiter drüber nachzudenken. Die Sache mit dem Bierfoto für die Sueddeutsche und Seldas selbstgebasteltes Geburtstagsgeschenk sorgten für erste konzeptionelle Ideen für das Projekt, wie es ab jetzt semiprofessionell hieß.
Julia und ich brannten, wir waren heiß darauf, so schnell wie möglich Worte in Taten zu verwandeln und am nächsten Morgen, noch leicht verkatert, begann bereits die Umsetzung: Unsere Fotografien auf Leinwände geklebt, verstärkt und immer in der gleichen Größe: 15x15 als Trilogien angeboten. Am Anfang war die Idee, am Ende stand die Flohschanze. Tage vergingen, es wurde recherchiert, Preise eingeholt, verglichen, Bilder ausgewählt, Leinwände bestellt, diskutiert, teure Pinsel und Spezialkleber gekauft und letztlich auf die schönsten 30 Fotografien geeinigt. Bei Sushi, Rotwein und ein wenig Hip Hop flogen ordentlich die Papierfetzen.
Nach drei Stunden müseliger Plackerei glichen unsere zarten Frauenhände eher denen eines 50-jährigen Hafenarbeiters mit Salzwasserallergie und es sollten noch Stunden vergehen, bis wir den Scheißkleber sauber entfernen konnten. Am Ende steht die Flohschanze. Was als Bieridee (oder war es doch eher Weißwein) entstand, steht nun kurz vor der Vollendung und ist noch schöner geworden als wir es uns je vorgestellt haben.

08.09.2011

Checkliste von Omma (telefonisch verhandelt)

Oma: Und ihr wollt wirklich zelten?
Lisa: Ja.
Oma: Es gibt schon Nachtfrost!
Lisa: In Frankreich sind 30 Grad.
Oma: Ja ja, woher willst du das wissen?
Lisa: Internet.
Oma: Wissen das deine Eltern überhaupt?
Lisa: Die sind in Dänemark.
Oma: Ja, hast du denen Bescheid gesagt?
Lisa: Jahar.
Oma: Und, was sagen die dazu?
Lisa: Finden sie cool.
Oma: Aha. Zieh dir aber bloß einen Nierenschützer unter.
Lisa: Unterhemd? Ja, Oma.
Oma: Sonst kriegst du eine Nierenbeckenentzündung wegen dem Bodenfrost.
Lisa: Ach watt!
Oma: Und eine dicke Jogginghose einpacken.
Lisa: Ja, Oma.
Oma: Na gut.
Lisa: Alles klar.
Oma: Tabletten!
Lisa: Jo, Reiseapotheke, alles.
Oma: Na gut.
Lisa: Ok, dann tschüss, ne?
Oma: Ja, tschüss.

03.09.2011

Just do it

Eines Morgens war sie da. Der Zahn der Zeit hatte sie unwiderruflich eingemeißelt. Sie fiel mir sofort auf mit ihrem elegant ausladenden Schwung. Ein Nike-Symbol par excellence. Just do it, hat sie sich gedacht und grub ihre Furche in mein Gesicht. Meine dritte Falte. Willkommen Zuhause. Unter dem linken Auge, geschwungen bis zum äußeren Augenlid, morgens dezent angeschwollen, im Laufe des Tages zu einer feinen Linie verschwindend. Ich weiß das, weil ich sie jeden Tag seitdem akribisch und mit besorgter Stirnfalte beobachte. Wobei ich die besorgte Stirnfalte lieber auch lassen sollte, sonst bleibt die auch noch dort, wo sie sonst nur bei höchster Konzentration aufblitzt. Ich bin alt. 23 Jahre. Q10 is calling. Antiaging ist immer mindestens 2 Euro teurer als normale Feuchtigkeitscremes, doch Falte Nummer 4 kann ich noch präventiv behandeln! Just do it, Lisa! Ich kann jetzt auch nicht mehr einfach die Creme ins Gesicht schmieren so mit beiden Händen rubbel rubbel. Ich muss jetzt tupfen, damit ich die Falte Nummer 3 nicht auch noch tiefer reinfurche. Es ist ein schleichender Prozess, dieses Altern. Männer zum Beispiel werden mit dem Alter attraktiver. Kriegen Charakter. Bekommen Lachfalten statt Krähenfüße.  Ich hingegen bekomme nur Falte Nummer 4. Falte Nummer 1 und 2 habe ich übrigens seit ich klein bin, weil meine Augen zu groß für meinen Kopf sind, eine Behinderung sozusagen. Falte 3 ist schlichtweg Alterungsprozess. Ich will lieber nicht altern. Man wird ja auch immer ungelenker.  Mein Hausarzt macht sogar Witze über mich, weil ich mit den Händen nicht auf den Boden komme, wenn ich mich vorne über beuge. Deswegen beginne ich im Herbst mit Yoga. Außerdem knacken meine Knie beim Beugen immer so bedrohlich, dass ich bestimmt in ein bis zwei Jahren durch einen Oberschenkelhalsbruch für immer im Brockenblick in Gadenstedt wohnen muss. Letztes Jahr kam ich auf die Schnapsidee, mit TJ im Urlaub Purzelbäume zu machen! Achtung an dieser Stelle: Ab einem Alter von schätzungsweise 10 Jahren ist der Körper hierzu nicht mehr in der Lage! Ich musste mich danach erstmal hinlegen, weil ich dachte, ich hätte mir die Wirbelsäule gebrochen. Und ein Schädelhirntrauma erlitten. Bald kann ich meine eigenen Kinder nicht mehr hochheben! Und ich habe noch gar keine Kinder! Die biologische Uhr tickt, dann setzt der Eisprung aus, man bekommt unkontrolliert Schweißausbrüche und fängt an zu heulen, wenn der Ehemann seine Socken auf dem Boden liegen lässt. Kurzum: Man ist in den Wechseljahren und dann wars das mit dem Kinderwunsch. Aus die Maus. Bereits in 7 Jahren bin ich 30. Dann geht es nur noch bergab. Ich wette, die Falten kann ich dann schon gar nicht mehr zählen, blondiert wird nicht mehr wegen dunklen, sondern grauen Haaren und mein Arm winkt von alleine, auch wenn ich gar keinen grüßen will.

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